
Es war ruhig geworden um die kleinen Gesellen, die Autobesitzern das Leben zum Teil schwer, sprich: teuer machen können. Aber mit dem Frühling werden auch Marder aktiv, und so ist in den kommenden Monaten wieder verstärkt mit Marderschäden zu rechnen.
Der "Vandalismus" unter der Motorhaube nimmt wieder zu. Denn im Frühjahr, kurz vor der Paarungszeit, und bis in den Spätsommer hinein sind Marder besonders aktiv. Oftmals sind parkende Autos Austragungsort ihrer Territorialkämpfe. Um Nebenbuhler von ihren Weibchen fernzuhalten, stecken Marder-Rüden ihre Reviere ab und markieren die Grenzen mit Urin. Kommt man mit seinem "markierten" Auto in das Revier eines anderen Marders, lebt dieser seine Aggressionen nicht selten im Motorraum aus. Mögliche Folgen sind durchgebissene Zündkabel oder Kühlwasserschläuche, beschädigte Achsmanschetten oder Isoliermatten. Besonders gefährdet sind somit Fahrzeuge, die häufig an verschiedenen Orten geparkt werden.
Nach Angaben des Versicherungsverbandes ist die Zahl der Marderschäden in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass es weit mehr Schäden gab, da lediglich die kaskoversicherten Fahrzeuge erfasst werden.
Um die Marder vom Auto fernzuhalten, empfehlen Autofahrerclubs auf das Weidezaun-Prinzip zu setzen. Elektrische Geräte, die in den Motorraum eindringenden Mardern einen leichten Schlag versetzen, haben sich als am effektivsten erwiesen. Vorübergehend kann auch eine Motorwäsche Abhilfe schaffen, wenn damit die von den Rüden hinterlassene Duftmarke beseitigt wurde. Ein Stück Maschendraht, unter das Fahrzeug gelegt, kann die Tiere irritieren und ebenfalls zeitweise abschrecken. Ohne jede Wirkung bleiben hingegen alle anderen "Ersatz-Duft-Strategien" - vom WC- oder Marder-Abwehr-Spray über Hundehaare bis hin zu Mottenkugeln.
In den kommenden Monaten gilt es, besonders aufmerksam zu sein, und falls der Motor unrund läuft, die Kabel und Schläuche zu kontrollieren. Im Zweifelsfall sollte man einen Fachmann beauftragen, den Motorraum nach etwaigen Marderschäden zu durchforsten. Schäden sollten umgehend behoben werden, denn Folgeschäden können noch teurer werden.
Dies sind typische Beanstandungen, die vom Marder her rühren können (Quelle Audi):
Die Motorchecklampe leuchtet, ein Leistungsmangel wird bemerkt. Der Motor läuft unrund oder startet erst gar nicht. Die Kühlmittel oder die ABS-Kontrollleuchte brennt.
Bevorzugt werden vom Marder gut erreichbare und freiliegende Leitungen heimgesucht. Auf dünne Leitungen "steht" er besonders. Manche Verbissschäden können wegen der dünnen Ummantelung von Leitungen oft nur sehr schwer erkannt werden. Nadelartige Einstiche sind charakteristisch für einen Verbiss.
Weitere Hinweise für einen Marderverbiss können zerfledderte Isoliermatten der Geräusch- und Wärmedämmung sein. Tierhaare und Pfotenabdrücke sind weitere Indizien.
Die Teilkaskoversicherung kommt für Marderschäden nur auf, wenn dies ausdrücklich in der Versicherungspolice steht – wie zum Beispiel bei den mit dem ADAC kooperierenden Unternehmen. Auch dann werden allerdings nur die Kosten (abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung) übernommen, die unmittelbar durch den Marderschaden entstehen.
Also zum Beispiel das Erneuern von durchgebissenen Zündkabeln oder zerfetzten Dämmmatten, nicht aber Folgeschäden oder die von den Marder-Experten dringend empfohlene Motorwäsche.
Die jüngste ADAC-Pannenstatistik verzeichnet eine Zunahme der Marderschäden innerhalb der letzten zwei Jahre um 60 Prozent auf 16303 Fälle!
Am meisten betroffen: Zündkabel (9392 Schäden), gefolgt von Kühlwasserschläuchen (4811 Fälle).
Auf 50 bis 70 Millionen Mark jährlich schätzen Experten die Reparaturkosten. Und die gehen bei einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 350 Mark wegen der Selbstbeteiligung bei der Kaskoversicherung in den meisten Fällen zu Lasten der Fahrzeughalter.
Konnte man bis vor wenigen Jahren noch von einem Problem ausgehen, das nur den Süden Deutschlands betraf, so belegen neueste Statistiken: Die Marder schlagen inzwischen überall zu – von Konstanz bis Kiel.
Umso drängender die Frage: Unternimmt die Industrie eigentlich etwas, um Autos "mardersicherer" zu machen? Oder ist sie im Grunde ganz dankbar für den Zusatzumsatz?
Dass die etwa 200000 nachtaktiven Gummigourmets das Ersatzteilgeschäft beträchtlich ankurbeln, gestand ein Sprecher der Automobilbranche dem Nachrichtenmagazin FOCUS unverblümt ein. »Trotzdem arbeiten wir an Lösungen«, behauptete der Mann forsch. Zeit wird’s.
Einen wirksamen Schutz bietet angeblich Volkswagen mit seiner Original Marderschutzvorrichtung an. Bei dieser werden die Einstiegspunkte in den Motorraum mechanisch versperrt, so dass der Marder keine Chance hat dort einzudringen. Dazu werden in den vorderen Radhauskästen je zwei Bürstenvorhänge im Bereich des Lenkgestänges und der Gelenkwellen angebracht. Ein Lochblech verhindert ein Eindringen im Bereich des aus dem Motorraum herausgeführten Abgasanlage.
Der Einbau dauert zwischen 30 und 45 Minuten und ist für die meisten Golf V, Jetta und Touran Typen möglich. Ob es einen passenden Satz zum Nachrüsten gibt, sollte beim VW Händler aber nachgefragt werden. Der Bürstensatz kostet ca. 85,- € und das Lochblech ca. 26,- €.
Ein weiteres wirksames fahrzeugseitiges Abwehrmittel ist ein Kabelschutz, bestehend aus geschlitzten Wellrohren, die über die Leitungen gezogen werden.
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