Und das alles nach Möglichkeit mit der Eleganz eines Coupés? Das hätten wir auch gerne, dachten sich vier BMW-Entwickler und tüftelten hinter verschlossenen Türen und vorerst im Geheimen an einem neuartigen Konzept. Die Idee des BMW 5er Gran Turismo war geboren, und ein Designwettbewerb für Interieur und Exterieur wurde ins Leben gerufen. Nach mehreren Monaten entschied sich der Vorstand schließlich für das endgültige Design.
Wir haben dem 5er GT nun auf den Zahn gefühlt und versucht herauszufinden, ob die eierlegende Wollmilchsau auf vier Rädern das hält, was uns BMW verspricht. Die Optik ist etwas gewöhnungsbedürftig, während die Frontpartie sehr wuchtig im Wind steht und an den 7er erinnert, scheiden sich am Heck etwas die Geister.
Und dabei ist gerade dort ein besonderer Clou versteckt, die zweigeteilte Heckklappe. Mehr dazu im Kapitel "Innenraum".
Drei Motorisierungen stehen zur Verfügung, wobei nicht schwer zu erraten ist, dass die Mehrheit der Kunden dem 530d mit 245 PS den Vorzug gegenüber den Benzinern mit 306 bzw. 407 PS geben wird. Der formidable Turbodiesel ist zugleich auch der günstigste Einstieg in den 5er GT, 61.500 Euro sind hier fällig. Für 63.900 Euro gibt’s den Sechszylinder-Benziner, für satte 90.900 Euro den Achtzylinder. Und brandneu im Angebot: Der 300 PS starke 535d für 66.900 Euro. Allesamt keine Schnäppchen, dennoch liegt man nur knapp über den Preisen des noch aktuellen 5er Touring, 58.492 Euro werden für den 530dA aufgerufen.
Dass bei Premiummarken wie BMW der Einstiegspreis lediglich einen Richtwert darstellt, ist klar. Ergänzt man den 530d GT um Annehmlichkeiten wie das elektr. Heckklappe, Park-Distance-Control, Xenon, Klimaautomatik, Navi Professional, Komfortzugang, elektrisch verstellbare Sportsitze und Lederpolsterung - um nur die wichtigsten zu nennen -, kommt man auf einen Endpreis von knapp 79.000 Euro.
Während das Design des Exterieurs nicht überall Zustimmung fand, waren sich alle Passagiere einig, der Innenraum des 5er GT setzt neue Maßstäbe. Nie war das Raumgefühl in einem BMW dermaßen opulent. Vor allem im Fond vereint der Bayer tatsächlich das beste aus mehreren Welten.
Die Beinfreiheit ist großzügig wie im 7er, die Kopffreiheit üppig wie im X5, genauso genommen ist der 5er GT eine ideale Chauffeurslimousine. Die Sitze lassen sich auf Wunsch sogar in eine leichte Liegeposition verschieben, wer die Lehnen steiler stellt, vergrößert außerdem das Kofferraumvolumen.
Stichwort Kofferraum, dieser ist auf zwei Arten zugänglich: Zum einen lässt sich die gesamte Heckklappe öffnen – die elektrische Bedienung sei an dieser Stelle empfohlen –, zum anderen kann man auch nur eine kleinere Klappe aufmachen.
Die Idee dahinter: Während beim Kombi oder Hatchback vor allem im Winter beim Beladen des Kofferraums der Innenraum mit kalter Luft geflutet wird, ist bei einer Limousine der Laderaum vom Rest des Autos abgeschottet.
So auch beim 5er GT, wenn man nur die kleine Klappe öffnet. Dass man in der Praxis trotzdem fast ausschließlich die komfortablere, elektrisch betriebene große Heckklappe öffnet, lässt das Konzept nicht ganz aufgehen.
Zu Beginn der Entwicklung sah sich BMW mit diesem System in einer Vorreiterrolle, dummerweise hatten die Skoda-Ingenieure im tschechischen Mlada Boleslav eine ähnliche Idee, die beim Skoda Superb zudem früher auf dem Markt war.
Das Basisvolumen von 440 Litern klingt zunächst nicht allzu üppig, 590 sind es, wenn man die Rücksitze nach vorne schiebt. Wer die Rückenlehnen umklappt, der bringt bis zu 1.700 Liter in den 5er GT, ein Wert, der auch im Vergleich zu Kombis äußerst repektabel ist.
Materialwahl und Verarbeitungsqualität sind über alle Zweifel erhaben, dennoch gibt’s noch Raum für Verbesserungen. Um auch dem eingangs angesprochenen Coupé-Charakter gerecht zu werden, setzt BMW bei diesem Modell auf rahmenlose Seitenscheiben bei allen vier Türen.
Schaut gut aus, hat aber gleich zwei nicht unerhebliche Nachteile. Bei unserem Testauto störten deutliche Windgeräusche bereits bei niedrigen Geschwindigkeiten den eigentlich ruhigen Innenraum. Und vor allem im Winter bei vereisten und oftmals verschmutzten Scheiben verursachte das Öffnen bzw. Schließen unschöne Quietschgeräusche. Bitte dringend nachbessern!
Traditionell top ist die Sicherheitsausstattung. Sechs Airbags sind Standard, optional lässt sich der BMW 5er Gran Turismo um Dinge wie einen Fernlichtassistenten oder Side-View-Cameras erweitern – am Monitor sind die Bilder des Querverkehrs an Kreuzungen oder bei Hausausfahrten zu sehen.
Der Dreiliter-Diesel ist ohne Frage die wirtschaftlichste Motorisierung für den 5er GT. Wer die technischen Daten näher studiert, der kommt aber schnell zum Schluss, dass das Aggregat deshalb noch lange nicht langweilig ist.
245 PS sind eine starke Ansage, ebenso wie satte 540 Nm maximales Drehmoment. In nur 6,9 Sekunden beschleunigt das bayerische Multitalent auf 100 km/h, trotz des nicht unerheblichen Gewichts von zwei Tonnen.
Die erstmals beim 5er GT serienmäßig zum Einsatz kommende Achtgang-Automatik sorgt für kaum wahrnehmbare Gangwechsel und eine äußerst geschmeidige Beschleunigung, zudem hilft sie den Verbrauch zu senken.
Mit 6,5 Litern Durchschnittsverbrauch ist der GT laut Werksangabe extrem asketisch unterwegs. In der Praxis lag unser Schnitt bei rund 8,5 Liter Diesel auf 100 km, in Anbetracht der Eckdaten immer noch ein guter Wert.
Besonders wohl fühlt sich der BMW 530d GT auf der Langstrecke und hier auf der Autobahn. Mit stoischer Ruhe spult er Kilometer um Kilometer ab, vor allem dann, wenn man den Schalter der dynamischen Dämpfer-Kontrolle auf Komfort stellt.
Nicht ganz so zuhause ist das neue Konzept auf der kurvigen Landstraße. Trotz „DynamicDrive“-Wankstabilisierung kann er die im Vergleich zur neuen 5er Limousine zusätzlichen 200 kg auf den Rippen nicht ganz verleugnen, sogar der 7er ist rund 100 kg leichter.
Das zeigt sich auch bei der Abstimmung des elektronischen Stabilitätsprogrammes. Während bei BMW die mittlere Stufe bei anderen Modellen gepflegte Drifts auf verschneiten Parkplätzen zulässt, greifen die Regelsysteme hier deutlich früher ein.
Und wer das System ganz deaktiviert, der muss ein schneller Lenkraddreher sein. Denn wenn das Heck des 5er GT erst einmal ausschwenkt, dann mit großer Vehemenz. Aber keine Sorge, im Normalbetrieb mit aktiviertem DSC sind Heckschwenks kein Thema.
Das Konzept der eierlegenden Wollmilchsau in die Serie umzusetzen, ist ohne Frage ein mutiger Schritt. Der BMW 5er GT hat zweifellos viele Stärken, ob die allerdings ausreichen, um die angestammte Klientel von Limousine und Touring zum Umstieg zu bewegen, werden die Verkaufszahlen weisen.
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